Das Ben-Yehuda Haus

Das Zuhause des “Erneuerers” der Hebräischen Sprache.

Eliezer Ben Yehuda starb am 16. Dezember 1922, kurz bevor sein Haus fertig gebaut worden war. Seine Frau Chemda lebte bis zu ihrem Tod 1951 in jenem Haus, das sie dann, zum Gedenken an das Lebenswerk ihres Mannes, nach seinem Tod zu einem Gedenkort machte.

Einige Jahre später überließ die Familie Ben Yehudas das Haus der Stadtgemeinde Jerusalem. Bis 1965 nutzte die Gemeinde das Haus privat. 1971 entschied Jerusalems ehemaliger Bürgermeister Teddy Kollek, das Haus in die Obhut der Organisation “Aktion Sühnezeichen Friedensdienste” zu geben- eine deutsche Organisation, die jährlich rund 170 junge Freiwillige in die Welt schickt, um in sozialen Projekten zu arbeiten. Für die deutschen Freiwilligen, die in Israel sind, wurde 2004 im Hinterhof des Hauses ein neuer Flügel gebaut, der als Seminarhaus dienen soll.

Noch im selben Jahr wurde entschieden, das Haus Ben Yehudas zu einem internationalen Meeting Center und Gästehaus umzugestalten. Das Ziel war es, einen Ort zu schaffen, der für jedermann zugänglich ist und Platz zum kulturellen Austausch sowie zum Lernen bietet.

Mit dem Schwerpunkt auf die deutsch-israelischen Beziehungen, bieten wir in diesem Rahmen die Möglichkeit für Seminare, Workshops, Vorträge und andere Anlässe mit historischen, soziologischen, politischen und kulturellen Schwerpunkten. Zudem bieten wir Sprachkurse in Deutsch, Hebräisch oder Yiddisch an.

 

Eliezer Ben Yehuda (1858 – 1922)

Eliezer Ben-YehudaEliezer Ben Yehuda gelang die Umwandlung eines Hebräisch, das ursprünglich nur im kulturellen und religiösen Rahmen gesprochen wurde, zu einer lebendigen Sprache, die heute in allen Schichten der Gesellschaft von Millionen Israelis und Juden weltweit genutzt wird. Es bedurfte viel Zeit sowie intellektuelle wund politische Bemühung, um die sprachlichen Innovationen und das moderne Hebräisch, etwa in Zeitungen, durchzusetzen.

Geboren am 07. Januar 1858 in der litauischen Stadt Lushki, erhielt Elizier Yitzhak Perelman (später Eliezer Ben Yehuda) eine traditionelle, jüdische Erziehung und lernte bereits, bevor er drei Jahre alt war, Hebräisch aus der Torah und dem Talmud. In der Hoffnung, Eliezer würde den Beruf eines Rabbiners einschlagen, schickten ihn die Eltern auf eine Jeschiwa. Hier geriet er erstmals in Kontakt mit der jüdischen Aufklärung (Haskala) und dem Zionismus (jüdische Nationalbewegung). Im allgemeinen nationalistischen Aufbruch der europäischen Völker wurde auch er Anhänger der Idee, die Juden der Diaspora könnten im Lande Israel (Erez Israel) einen Staat aufbauen und dort selbstbestimmt ihre eigene Kultur ausleben.

1871 verließ Ben Yehuda Litauen und begann, in Paris Medizin zu studieren, um als Arzt in Erez Israel – damals noch Provinz des osmanischen Reiches – praktische Hilfe für die Neueinwanderer leisten zu können. Die ersten Diskussionen mit anderen jüdischen Intellektuellen über die Chancen einer hebräischen Renaissance im eigenen Land verliefen jedoch zunächst ergebnislos.
In zahlreichen Artikeln in der jüdischen Presse warb er für die Belebung der hebräischen Sprache, die er als einendes Band zwischen allen Juden in der Welt betrachtete. Dabei stieß er auf erbitterten Widerstand in frommen Kreisen. Hier sah man das Hebräische als ausschließlich liturgische Sprache, die lediglich im Gottesdienst gesprochen werden sollte, und lehnte ihren profanen Gebrauch ab.

1881 siedelte Ben Yehuda mit der ersten Einwanderungswelle (Alija) schließlich selbst nach Erez Israel. Von Jerusalem aus begann er, seine Idee eines hebräisch sprechenden jüdischen Volkes im heiligen Land zu verbreiten. Ende des 19. Jahrhunderts lebten in den vier großen Städten Jerusalem, Hebron, Safed und Tiberias der osmanischen Provinz Palästina jedoch gerade einmal einige Tausend, zumeist sehr fromme, unpolitische und arme Juden. Von der ersten Minute in Erez Israel an sprach Ben Yehuda konsequent nur hebräisch, was bis auf den fehlenden Wortschatz moderner Begriffe auch glückte. In den folgenden Jahren entwickelte Ben Yehuda durch intensive sprachwissenschaftliche Studien und im Rahmen der Erziehung seines Sohnes eine Vielzahl neuer Worte wie Eiscreme, Fahrrad oder Taschentuch, die zuvor nicht existierten.
Ben Yehuda war der Auffassung, dass die hebräische Sprache über die Kinder natürlicher Bestandteil der Kultur des Landes werden würde.

Der Erfolg Ben Yehudas war jedoch in den ersten Jahren sehr gering. Nur wenige Familien schlossen sich seinem Beispiel, ausschließlich Hebräisch im Haus zu sprechen, an. Hebräischsprachige Siedlungen wie Rischon LeZion blieben eine Ausnahme. In den 1890er Jahren eskalierte zudem die Auseinandersetzung mit dem frommen Teil der Bevölkerung (Charedim). Aufgrund seines wiederholten Aufrufs zur Hebraisierung des Landes wurde Ben Yehuda als Bedrohung für die osmanische Regierung denunziert, die ihn für ein Jahr inhaftierte.

Erst mit der zweiten großen Einwanderungswelle nach Erez Israel Anfang des 20. Jahrhunderts wurde Hebräisch zur Alltagssprache dort lebender Juden und des politischen Zionismus.
1909 wurde mit Tel Aviv die erste hebräische Stadt und damit auch ein neues israelisches Lebensgefühl gegründet. Hebräisch wurde mit Fortschritt, Säkularisierung und Zionismus – kurz: einem neuen jüdischen Selbstbewusstsein – verbunden. Nur wenige Tage nachdem Hebräisch als offizielle Sprache der Juden in Palästina durch den britischen Mandatsträger anerkannt worden war, starb Ben Yehuda am 16. Dezember 1922 an Tuberkulose. Zahlreiche Straßenschilder in israelischen Städten erinnern noch heute an den Begründer der neuhebräischen Sprache und seinen Sohn, den ersten in Israel geborenen Juden mit hebräischer Muttersprache.

(Zitiert aus: Dr. Mordechai Mishor, Dena Ordan, Eliezer Ben Yehuda (1858-1922))

“Vor Ben Yehuda konnten Juden Hebräisch sprechen, nach ihm, taten sie es auch”

(Cecil Roth, jüdische Historikerin in Oxford, Groß Britanien)